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- Michael Burger
Vom Scheitern zum Erfolg in Afrika
Im Kampf gegen die Wüste hat ein Agronom aus Australien eine simple Methode entwickelt. Anstatt Bäume zu pflanzen greift er lieber zur Schere und stutzt die Pflanzen, die bereits wachsen.
Tony Rinaudo hat ganze Arbeit geleistet und ein Stück Afrika verändert. Satellitenbilder von Niger und Äthiopien liefern den Beweis: Wo früher Wüste war, ist heute Wald. In dieser Region haben er und lokale Bauern über 200 Millionen Bäume zu neuem Leben erweckt. Später wirkte er in Äthiopien und anderen afrikanischen Ländern.

Bild: Traditionelles Landmanagement
650’000 Quadratkilometer fruchtbarer Boden sind in Afrika in den vergangenen 50 Jahren verloren gegangen, schreibt «Die Welt» (1). « Seine Methode könnte für Afrika bedeutender werden als Milliarden von Dollar Entwicklungshilfe», schreibt der Tages Anzeiger (2). Die Regionen in Niger und anderen Ländern der Sahelzone sind der Beweis dafür, dass Tony Rinaudos 32-jähriger Kampf für die Wiederbegrünung Afrikas nicht vergebens war. «Die Wiederaufforstung ist wohl die grösste Umweltveränderung in Afrika in den letzten 100 Jahren», erklärt Chris Reij, Fachmann für nachhaltiges Landmanagement beim World Ressources Institute in Washington, in «Die Welt». Der australische Waldmacher hat so die Lebensbedingungen von Millionen Menschen verbessert.

«Auf der Reise mit Tony in die Region Humbo in Süd-Athiopien standen wir auf einem grünen Hügel, der noch vor 15 Jahren völlig vertrocknet war. Hier hatte es viele Jahre immer wieder Hungersnöte gegeben. Tausende Menschen und Kinder verhungerten. Doch heute geht es den Menschen, die hier leben, gut. Die Wälder versorgen sie mit Nahrung und neutralisieren das heisse, trockene Klima. Viele ausgetrocknete Wasserquellen spenden wieder Wasser und versorgen die Menschen mit sauberem Trinkwasser.»
Tony Rinaudo in seinem Buch: Unsere Bäume der Hoffnung, SCM-Verlag
Bei Tony fing alles mit acht Jahren an. Der tiefgläubige Junge betete und erklärte seinem Gott: «Wenn ich gross bin, dann mache mich zu deinem Werkzeug, um die Welt ein bisschen besser zu machen.» Um das beste Werkzeug im Kampf gegen den Hunger zu sein, studierte Rinaudo Landwirtschaft. Er stammte aus einer christlichen Familie und besuchte kurz dem Abschluss seines Studiums einen Kurs, um als Missionar arbeiten zu können. Eine kleine Missionsgesellschaft schickte den damals 24-Jährigen mit Frau und Kind nach Niger, eines der ärmsten Länder der Welt. «Gegen den Hunger in Afrika musst du Bäume pflanzen. Nur so kann die Ausbreitung der Wüste aufgehalten werden, nur so kann die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden», hatte Tony im Studium gelernt.
Nach zweieinhalb Jahren zunehmender Frustration und dem Gefühl, nichts erreicht zu haben, kämpfte Tony mit dem Gefühl ein Versager zu sein und war kurz davor aufzugeben und nach Hause zu fliegen. Er musste mitansehen, wie ein Setzling nach dem anderen in der Savanne einging. Tony begann mit seinem Gott zu hadern. «Warum hast du mich hierhin geschickt, wenn meine ganze Arbeit vergebens ist? Zeig mir endlich, wie ich helfen kann», betete der Christ.
Trailor circa 1983, lässt Luft raus
Er war gerade mit seinem Geländewagen und einem Anhänger voller Setzlinge auf dem Weg in die Savanne. Er hielt an, um Luft aus den Reifen zu lassen, um besser über den losen Sand zu fahren, wie er das jedes Mal zu tun pflegte. Als Tony neben dem Auto niederkniete, entdeckte er, dass mitten in der Wüste aus einem Baumstumpf ein junger Trieb wuchs. Rinaudo sah sich um und sah überall winzige Triebe aus dem Sand sprossen. Instinktiv wusste er, dass das die Antwort auf seine Gebete war. Unter der Wüste verbarg sich ein dichtes Wurzelwerk, ein unterirdischer Wald. «Zwei Jahre lang war ich die Strecke fast täglich gefahren und hatte diesen unterirdischen Wald nie gesehen. Gott hatte meine Gebete erhört und mir die Augen geöffnet», sagte der Missionar dankbar.

Wachstum innert drei Jahren
Der mutige Australier begann mit einem alten Teppichmesser seines Vaters zusammen mit lokalen Bauern junge Triebe aus abgeholzten Baumstümpfen zu beschneiden und als Bäume hochzuziehen. Auf diese Weise hat Tony den Wald in die Wüste zurückgebracht. Zunächst liessen sich nur zehn Bauern auf die Vision des «verrückten Tony» ein. Doch als in den kommenden Jahren schwere Dürren das Land heimsuchten, waren sie es, die auf ihren Feldern gute Ernten erzielten. Die anderen Bauern sahen dies – und zogen nach. Mittlerweile betreiben alleine in Niger über eine Million Bauern auf rund fünf Millionen Hektar Landwirtschaft nach dieser Methode. «World Vision» erkannte als erste Hilfsorganisation das Potenzial der Low-Tech-Aufforstungsmethode und nahm ihn unter Vertrag. Tony Rinaudo erhielt 2018 den alternativen Nobelpreis Right Livelihood Award (3) für sein Wirken in Afrika.
Tonys Methode führen wirklich zum Erfolg
- Malawi: Erfahrungsbericht von Karin Schwarz aus Balaka
- Wir haben auch Bilder von Niger, Äthiopien, Ghana und anderen Ländern gesehen und staunen können, wie ganze Regionen neu aufblühen und grün werden.
Was lehrt uns diese Geschichte fürs neue Jahr?
- Nicht aufgeben und dran bleiben lohnt sich, sonst kann man viel verpassen.
- Gott erhört Gebete und antwortet darauf, vielleicht nicht so schnell, wie wir es gerne hätten.
- Sie können auf dieser Welt einen riesigen Unterschied machen.
- Was ist mein Beitrag, damit es Menschen auf unserem Planeten besser geht?
Persönlicher Buchtipp
Tony Rinaudo: Unsere Bäume der Hoffnung, SCM Hänssler Verlag
Erhältlich bei Ihrem Buchhändler oder online. Gute Lektüre!
Ich, Michael Burger, habe dieses Buch gelesen und es hat mich gepackt. Eine spannende und bewegende Biografie über das Wirken von Tony in Afrika. Heute stehen wir mit ihm im persönlichen Kontakt.
Quellennachweise:
1) «Gottes Waldmacher» – Artikel aus «die Welt»
2) «Der Waldmacher» - Tagesanzeiger Artikel
3) Waldmacher für Lebenswerk ausgezichnet - WordVision